Schwarzwald: Von Baden-Baden nach Freiburg – 130 km

Tag 1, Baden-Baden (diesmal wirklich): Aller Anfang ist naiv

Bereits auf dem Weg zu unserer Mitfahrgelegenheit macht sich der Rucksack bemerkbar. Komisch, bei den “Testwanderungen” in der Wohnung war der noch nicht so präsent. Aber hier draußen an der Straße ist es heiß und sonnig. Ich hoffe, das legt sich wieder und mein Gefährte merkt mir nicht an, dass ich nach diesen zwei Metern schon in den Puschen bin. Spoiler Alert: Es legt sich nicht mehr, das ist nun mein Schicksal. In Baden-Baden können wir das elendige Ding immerhin einen Tag ablegen und schauen uns die Gegend an: In Baden-Baden befindet sich das erste Fabergé Museum, was die Stadt schon ausreichend beschreibt.
Ansonsten lohnt sich der Weg zur Burgruine Alt Eberstein, von wo aus man einen phantastischen Blick auf den Schwarzwald hat und auf die Vogesen, drüben in Frankreich. Vor der Flagge der Stadt schießen wir noch ein paar größenwahnsinnige “harhar, wir werden den Schwarzwald schon bezwingen”-Fotos und machen uns dann auf zur Henkersmahlzeit. Noch einmal ordentlich futtern, bevor es an Gaskocher-Food und ballaststoffreiche Nüsschen geht – wir alten Fressköppe hatten ja keine Ahnung!

Tag 2, Mummelsee – Glaswaldsee: Angriff der Unterwasser-Zombies

Von unserem Gastgeber lassen wir uns an den Mummelsee fahren, der auf etwas mehr als 1000 Metern an diesem Tag in Wolken gehüllt liegt. Gerne hätte ich hier schon eine Pause eingelegt, weil alles so schön ist, aber es juckt in den Füßen. Wir sind motiviert, wir sehen gut aus, wir machen alle drei Meter Fotos von uns. Dann holen wir die Wanderkarte raus, auf der ich sorgfältig alle Stationen mit Klebestreifen markiert habe. Leider ist ein Maßstab von 1:50.000 so dermaßen ungenau, dass ich die Karte auch selber hätte malen können. Als uns nach drei Minuten im Wald der Schotterweg zu wenig Abenteuer bietet, biegen wir auf einen Pfad ab, von dem wir aus irgendeinem Grund annehmen, dass er nun parallel zum Schotterpfad verlaufen wird. Keine zehn Minuten im Wald, schon finden wir uns inmitten eines nicht eingeplanten Moores wieder. Die Dörfer und Häuser sind längst außer Sicht. Unter uns in der Ferne sehen wir Wanderer auf dem vermutlich korrekten Weg. Aber hier oben sind wir alleine auf einem kaum erkennbaren Pfad. Der Wind peitscht den Hang hinauf und wir beten, dass sich doch irgendwann dieser Pfad in einen wunderschönen Weg verwandeln werde. Wenn es irgendwo Hexen geben sollte, dann doch hier oben. Ich habe längst aus den Augen verloren, wo genau auf der Karte wir uns befinden und welcher Markierung wir nun am besten folgen sollten. Blaue Raute auf weißem Grund, oder verschnörkelte Welle? Ich hole meinen Kompass raus und navigiere uns, like the blind leading the blind. Aber auch ein blindes Huhn findet irgendwann den Weg. Von nun an gehen wir strikt nach der Beschilderung des Westwegs.

Unser Etappenziel für heute heißt Glaswaldsee, ein kaum touristischer See mitten im Wald, etwas abseits des Westweges. Allerdings lässt er sich nicht blicken. Es folgt Baum auf Baum, Waldstück auf Waldstück. Dazwischen ein Gasthaus, in dem ich mir wahnsinnig leckere und ebenso überteuerte Semmelknödel bestelle.

Der Weg ist so abwechslungsreich, wie ein Weg im Schwarzwald halt sein kann. Erst der dichte Tannenwald, dann die Kuhweide, dann der Anstieg zur Aussichtsplatform in einer geradezu Tundra-artigen Gegend. So schön das ja auch alles ist, langsam wird es Zeit für unser Ziel. Wir sind jetzt bereits völlig erschöpft. Die Wolken vom Vormittag haben sich verzogen und es ist sehr warm geworden. Hinter jeder Ecke vermuten wir den erlösenden Blick. Ungefähr 30 Kilometer sind wir schon gelaufen, wir schwitzen, wir haben Hunger, wir wollen ins Wasser. Schon habe ich die Befürchtung das meine “mad navigation skillz” uns wieder vom Weg weg navigiert haben, als hinter einer Biegung die Stille auftaucht. Eingekesselt von dunklen Schwarzwaldtannen liegt der ebenso dunkle Glaswaldseee vor uns. Wir quieken und würden hüpfen, wenn wir nicht so schrecklich erschöpft wären. Wir würden uns auch ins Wasser werfen, wenn der See nicht so dermaßen dunkel wäre. Kann man darin überhaupt schwimmen? Warum ist der so dunkel?

Obwohl wir fest davon ausgehen, nachts von den Unterwasser-Zombies in die Tiefe  gerissen zu werden, schlagen wir hier unser Zelt auf. Wir sammeln Holz und fühlen uns wie Tom Hanks und Wilson, als wir vor unserem Feuer stehen. Mit einer Astgabel basteln wir noch ein Kochkonstrukt und erhitzen anschließend ein paar Nudeln im Wasser. Auch hier trauen wir uns nicht das Wasser aus dem See zu nehmen, sondern verschwenden das wertvolle Trinkwasser. Es schmeckt fantastisch. Es wird Abend. Hier muss der Nachthimmel gigantisch sein, so weit weg von der Zivilisation, so still in unserem Tannen-Kessel. Die Nacht kommt, die ersten Sterne kommen und wir können uns kaum auf den Beinen halten. Die Nacht ist noch nicht mal so schwarz wie der See, da müssen wir beide passen. Wir werden noch genügend Zeit für einen richtigen Nachthimmel finden. Jetzt brauchen wir Schlaf!

Tag 3 Glaswaldsee – Oberwolfach: The Zombie is you!

2 thoughts on “Schwarzwald: Von Baden-Baden nach Freiburg – 130 km

  1. […] das Buch nicht gelesen hat, der versteht nur die Hälfte. Ich habe all meine Energien schon in den ausführlichen Blogbeitrag gesteckt, weswegen hier nun keine Höhenflüge zu erwarten sind. Zudem bin ich mit dem Layout der […]

  2. […] Abend am Glaswaldsee. Über den beeindruckenden Anblick des komplett seelenlosen Sees habe ich ja bereits geschrieben. Mindestens ein Foto gab es auch schon, aber das schönste habe ich bisher für mich behalten: Das […]

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