Schwarzwald: Von Baden-Baden nach Freiburg – 130 km

Tag 3 Glaswaldsee – Oberwolfach: The Zombie is you!

Wider Erwarten wurden wir nicht von den Unterwasser-Zombies gefressen. Ein wenig enttäuscht und kein bisschen erholt, packen wir unsere Sachen, meiden den See und waschen uns sehr grob in einem nahen Bach. Morgendusche ist eh was für Ungeduldige, denn heute steht der Wasserfall bei Burgbach auf dem Vormittags-Programm! Kurz vor Burgbach werden wir auf unserer Suche nach Frühstück in einer Gaststätte abgewiesen, da heute Montag und damit Ruhetag ist. Es bleibt vorerst bei Riegeln.

Wir erreichen den Wasserfall nach etwa zwei Stunden. Er ist klar und eiskalt und wird sofort für eine Komplettreinigung genutzt. Da wir langsam wirklich Hunger bekommen, ziehen wir weiter durch den Wald mit dem nächsten Halt Schapbach vor Augen. Wie jede Zwischenstation auf unserer 1.50.000-Karte, schätzen wir die Distanz auf etwa eine Gehstunde. Das ist natürlich Quatsch! Alles, was wir von dieser Karte lesen werden, ist Quatsch! Kurz vor Schapbach erwachen immerhin noch einmal unsere Kräfte, als wir am Wolf- und Bärenpark vorbeikommen und als Zaungäste ein paar Bären beobachten können.

Mit einem ebenso bärigen Hunger (urgh!) erreichen wir das Dorf, das Verrückte macht: Schapbach. Hier ist natürlich auch Montag, weswegen alle Einwohner offenbar ausgefahren wurden, die eine Gaststätte Ruhetag hat, der eine “Super”markt erst um 15:00 Uhr öffnet und es auch ansonsten im ganzen Ort NICHTS zu Essen gibt. Das eine Kind der Stadt verweist uns auf das Freibad, wo es Fritten geben soll. Wir haben so keine Lust auf Nüsschen, dass wir versuchen den wirren Wegbeschreibungen des Kindes zu folgen und uns in unserem Delirium aus Schmerz, Hitze und Hunger in einem 20-Einwohner-Dorf zweimal verlaufen. Wären wir nicht so harte Brocken, hätten wir im Schwimmbad vor Freude vor unseren Pommes geweint. Alles ist sehr dramatisch. Es ist der zweite Wandertag, es ist gerade mal Mittag. Wieso sind wir so fertig?

Wir lassen uns Zeit. Bloß nicht hetzen! Auf dem Weg Richtung Wolfach chillen wir länger als es der Zeitplan zulässt in einem Kneip-Bad am Wegesrand. Ein richtiges Ziel für heute gibt es eh nicht, so dass wir beschließen, unsere Zelte aufzuschlagen sobald wir einfach keine Lust mehr haben. Wären wir nicht so harte Brocken, hätten wir die Zelte sofort an diesem Kneip-Bad aufgeschlagen.
Wir laufen weiter. Es geht in den Wald, es geht immer durch den Wald. Überall sind Tannen. Wir können nicht mehr und suchen nach einer Lichtung, aber da sind nur Tannen. Es hört nicht auf. Steigungen und Tannen über Kilometer. Wir müssen weiter.

Als wir den Wald vor lauter Tannen nicht mehr sehen können, erreichen wir tatsächlich bereits Oberwolfach. Wir fragen die Hausbesitzer des wirklich allerersten Haus hinter der Waldgrenze, ob wir auf deren Wiese unser Zelt aufschlagen können. Wir dürfen und feiern das wahnsinnig, da die Wiese groß und sicher ist. Ich mache mir ein paar Nudeln, die ich, laut Aussagen meines Gefährten, unter unerträglichem Geschlürfe in mich hinein stopfe. Der Abend ist ansonsten mild. Zeit für eine Lagebesprechung. Wir sind erschöpft. Noch so einen Tag packen wir nicht. Daher reden wir uns ein, dass wir nicht immer nur durch die Dörfer rennen wollen, sondern uns eines auch genauer ansehen sollten. Noch am Abend reservieren wir uns für den nächsten Tag ein Gästezimmer in Wolfach. In Wahrheit brauchen unsere Körper einfach Ruhe. Wir hetzen zu sehr, wir sind beide keine Wanderer, sondern Walker. Selten reden wir auf unseren Wegen miteinander. Wir halten nie Inne, um die Landschaft zu genießen, sondern nur, um Luft zu holen. Ein Tag Ruhe sollte uns nach den Strapazen wieder richten. Laut dem Google Routenplaner sind wir an diesem Tag keine 20 Kilometer gelaufen, aber der Google Routenplaner ist ein verdammter Lügner!

Tag 4 Wolfach: Freizeitverschwendung

2 thoughts on “Schwarzwald: Von Baden-Baden nach Freiburg – 130 km

  1. […] das Buch nicht gelesen hat, der versteht nur die Hälfte. Ich habe all meine Energien schon in den ausführlichen Blogbeitrag gesteckt, weswegen hier nun keine Höhenflüge zu erwarten sind. Zudem bin ich mit dem Layout der […]

  2. […] Abend am Glaswaldsee. Über den beeindruckenden Anblick des komplett seelenlosen Sees habe ich ja bereits geschrieben. Mindestens ein Foto gab es auch schon, aber das schönste habe ich bisher für mich behalten: Das […]

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