Schwarzwald: Von Baden-Baden nach Freiburg – 130 km

Tag 4 Wolfach: Freizeitverschwendung

Natürlich waren wir auch gestern zu müde für den Sternenhimmel. Da war schon vor Sonnenuntergang Schicht. Dafür scheinen wir heute alle Erschöpfung abgeschüttelt zu haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass wir uns, kaum in Wolfach angekommen, direkt wieder auf den Weg zu einem rund 6 km entfernten Ausflugsziel machen: die Vogtsbauernhöfe, eine Art Schwarzwald-Klischeepark, auf dessen Fläche einige dieser riesigen Schwarzwald-Häuser stehen, durch die man laufen und was lernen kann. Und da wir dumm sind, lassen wir uns vor einem Supermarkt von dem Versprechen eines Werbebanners locken, drinne könne gratis Wein probiert werden. Es ist übrigens der heißeste Tag bislang. Was gäbe es da erfrischenderes, als ein paar Gläser Weißwein!?
Als wir aus dem Laden in die Sonne treten, bereuen wir kurz unseren Weintest. Die Hitze ist unerträglich. Immerhin geht es ziemlich schnell über einen Zeckenpfad in den schattigen Wald. Erstaunlicherweise bleiben wir zeckenfrei (wie auch im Rest des Urlaubes. Dabei habe ich mir so eine fancy Zeckenzange geholt …). Die letzten Kilometer aber geht es über freies Feld und auch den Vogtsbauernhöfen fehlt es an Schatten.

Vielleicht kommt die Erschöpfung auch nur zurück, aber wir sind ziemlich schnell mal wieder fertig. Die großen Höfe sind zwar beeindrucken und im Inneren etwas kühler, aber wir halten es nicht bis zum Ende des Rundgangs aus. Im Inneren eines Hauses versacken wir, Interesse heuchelnd, vor einem Fernseher, auf dem eine alte Frau erklärt, wie ihre Mutter früher die Einmachgläser mit allerlei Früchten vollgestopft hat. Jetzt wird es Zeit für unsere Dosis Früchte, also verziehen wir uns in das angeschlossene Café und bestellen ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte, wie die Touristen, die wir sind. Als Serviceleistung sei hier noch erwähnt, dass der Eintritt zu den Höfen 9 Euro kostet, was etwas übertrieben ist.

Draußen vor den Höfen schreibe ich in den angeschlossenen Touristen-Buden noch eine Karte für den Herren zu Hause, die nie angekommen wird. Wir beschließen für den Rückweg die Bahn zu nehmen, die die Strecke mit Umstieg in Hausach in etwa 5 Minuten zurücklegt. Auf der Bahn steht in großen Lettern die Abkürzung S.W.E.G. (Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft ), was uns den schlimmsten Ohrwurm seit Zott Sahne Joghurt in Schottland beschert. Von nun an steigen wir unterwegs immer wieder “aus dem Sweeeeeeeg” und “in den Sweeeeeg”.

All die Hitze und Torten haben uns hungrig gemacht, außerdem wollten wir doch ein bisschen was von der Stadt sehen! Daher beschließen wir abends in Wolfach noch Essen zu gehen. Unsere Entscheidung fällt auf ein schlichtes Hotelrestaurant, dass sich gegenüber eines wirklich schönes Hotelrestaurants befindet. So haben wir die bessere Aussicht, was ein sehr dummes Entscheidungskriterium ist. Leider ist auch das Essen nur mit gutem Willen noch als schlicht zu bezeichnen. Als Käsespätzle serviert man mir einen Blob Käse; den dazugehörigen Salat soll ich mir am Salatbuffet selber zusammenstellen. Salatbuffet! Um 20 Uhr Abends hat da sicher schon die gesammelte Belegschaft einmal draufgehustet. Meinem Gefährten ergeht es nicht anders: Die Frage, ob man ihm wohl einfach Bratkartoffeln und ein Spiegelei servieren kann (was beides separat auf der Karte steht), überfordert die Kellnerin, die vermutet, dass so etwas den Koch überfordert. Da geh ich lieber wieder zügig zurück ins Hotel und verbringe den Abend damit, über dem Spülbecken all den Dreck und Schmutz und Staub aus meinen Klamotten zu bürsten.

Tag 5 Wolfach – Biereck: What’s that coming over the hill?

2 thoughts on “Schwarzwald: Von Baden-Baden nach Freiburg – 130 km

  1. […] das Buch nicht gelesen hat, der versteht nur die Hälfte. Ich habe all meine Energien schon in den ausführlichen Blogbeitrag gesteckt, weswegen hier nun keine Höhenflüge zu erwarten sind. Zudem bin ich mit dem Layout der […]

  2. […] Abend am Glaswaldsee. Über den beeindruckenden Anblick des komplett seelenlosen Sees habe ich ja bereits geschrieben. Mindestens ein Foto gab es auch schon, aber das schönste habe ich bisher für mich behalten: Das […]

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