Österreich: Dachstein-Gletscherbahn – Südwandhütte – Ramsau (1/3)

Route: Rot
The cold never bothered me anyway

Was macht man nun mit dem angefangenen Leben, wenn das Wetter schlecht ist? Der erste Wandertag begrüßt meine zwei Gefährten und mich mit einer dicken Wolkendecke und ungemütlich viel Regen. Da unser Ausgangspunkt aber auf 1700 Metern liegt, hoffen wir, dass dort oben der Regen noch als Schnee runterfällt. Schnee ist Regen in Zeitlupe und Zeitlupen sind toll.

Zunächst sieht aber alles noch ganz furchtbar aus. Mit meiner Schwarzwald-Sommer-Hose friere ich schon während der Busfahrt zur Gletscherbahn. Ich habe zudem keine Handschuhe dabei, keine Mütze und meine Wanderschuhe sind Dr. Martens. Nach meiner Wanderung im Schwarzwald, traue ich mich nämlich nicht mehr in meine dort verwendeten Decathlon-Treter, da meine Zehen nach der letzten Wanderung aussahen, als wären sie Ryan Gosling im Fahrstuhl begegnet. Ich hoffe einfach, dass das alles reicht und mein Kreislauf den Laden schon warm halten wird.
Ein paar Überlebenstipps kann ich mir glücklicherweise auch von meinen beiden Gefährten geben lassen, die gut ausgerüstete Profis sind – auch wenn einer von ihnen ernsthaft mit einem Regenschirm wandert (verdammte Casuals!)! Mein körperliches Elend wird allerdings schnell zur Nebensache, sobald wir auf dem Pfad sind, denn er ist wunderschön. Und wenn etwas sehr schön ist, dann merkt man oft vor lauter Schönheit nicht mehr, wie elend es einem tatsächlich geht. Leute in oberflächlichen Beziehungen kennen das.

Als aus dem Regen auch noch Schnee wird,  verfalle ich endgültig in Ekstase. Es wird getanzt. Irgendwann melden sich trotzdem meine langsam absterbenden Finger zurück. Meine Gefährtin bietet mir ihre glühenden Hände als Heizung an. Unten im Alltag würde ich mir wahrscheinlich eher meine Faust in den wärmenden Mund schieben, als mich von jemandem anfassen zu lassen, aber hier oben gelten offenbar andere Regeln und ich reiche ihr dankbar die kalten Hände.

Warum bin ich so schlecht vorbereitet? Warum ziehen mich die beiden hier so den Berg rauf, wärmen und führen mich, geben mir ihr Equipment? Was hab ich der Truppe zu bieten? Selbst meine Fotos sind unbrauchbar und stinken gegen die Handybilder meines Gefährten ab (daher sind die meisten Fotos hier im Beitrag sein Verdienst). Ich bin der einbeinige Tourist, der von den zwei Sherpas auf den Everest gehievt wird. Unser Everest liegt allerdings keine 200 Meter über unserem Startpunkt: Die Dachstein-Südwandhütte.

2 thoughts on “Österreich: Dachstein-Gletscherbahn – Südwandhütte – Ramsau (1/3)

  1. […] kurz Österreich Tagestour Wanderung 30. Oktober 2015 Fortsetzung 1 comment Shari Littmann ← Österreich: Dachstein-Gletscherbahn – Südwandhütte – Ramsau (1/3) Österreich: Ramsau – Guttenberghaus – Ramsau (3/3) […]

  2. […] Gletscherbahn – Südwandhütte – Ramsau (rot) […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>