Österreich: Ramsau – Guttenberghaus – Ramsau (3/3)

Der Weg lässt sich passenderweise in ein paar Etappen aufgliedern:

  1. Der klassische Wald: Hohe Tannen um uns herum, die Wolken über uns, vor unserer Nase der Boden, denn die Steigung ist enorm. Das sind unsere ersten Kilometer. Ich bin völlig konfus: Brauche ich einen Stock? Jacke auf oder zu? Oder Jacke ganz ausziehen? Aber Mütze auflassen? Atme durch die Nase, du schlaffer Sack! So viel wirst du doch wohl wissen! Ich keuche trotzdem durch den Mund. Ein paar Geocaches, die ich am Wegrand einsammle, zwingen uns dankenswerterweise ab und an zu einer Pause. Die nächste größere Pause soll an einer Holzhütte stattfinden. Die Hütte ist ein ganzes hölzernes Anwesen: mehrere Häuser, ein Kaninchenstall, eine Kapelle, eine Hauskatze, ein Pferdestall. Es ist Punkt 10 Uhr, Öffnungszeit, doch niemand ist da. Wir verzweifeln kurz. Die nächste Hütte ist das 900 Höhenmeter entfernte Guttenberghaus. Wir sind quasi noch ganz unten. Immerhin haben wir etwas Proviant eingepackt. Also mümmeln wir kurz vor verschlossener Tür ein paar Snacks und grabbeln an der sehr zutraulichen Katze herum. Da nach zwanzig Minuten immer noch niemand kommt, um uns Kakao zuzubereiten, gehen wir weiter.
  2. Der steinige Wald: Die Bäume verlieren an Höhe, der Boden wird steiniger, der Pfad enger. Irgendwo an den Holzhütten bin ich in was Unschönes getreten. Das merke ich jetzt, da in dieser Höhe wieder Schnee auf dem Boden liegt. Ich zerstöre die weiße Idylle mit braunen Abdrücken. Unschön. Es tut mir Leid. Der Nebel wird mit jedem Höhenmeter dichter, der Schnee immer mehr. Langsam schwindet die Vegetation (wir befinden uns irgendwo zwischen montan bis subalpin, für die Kenner und coolen Leute unter euch).
  3. Das Geröllfeld: Nach einer Biegung ist uns, als hätte der Nebel eine Tür hinter uns verschlossen. Wir sind im Niemandsland. Um uns herum Schnee und Nebel. Es gibt weder ein oben, noch ein unten. Das ist sehr beruhigend, denn wir können nicht sehen, wie weit es rechts und links von uns runter geht. Außerdem wirken die großen Felder um uns herum wie weiche Schneekissen, die im Falle eines Sturzes, mit ihren sanften schneeigen Armen alles abfedern. Fast möchte ich mich freiwillig auf diese weiße Decke werfen und mich im Dachsteinbuch verewigen, so weich sieht das alles aus.

2 thoughts on “Österreich: Ramsau – Guttenberghaus – Ramsau (3/3)

  1. Jooo

    Schnieke Bilder und auch noch ein toller Erfahrungsbericht von dieser Grenzerfahrung 🙂 An die Nebel des Grauens erinnere ich mich auch noch sehr gut. Macht auf jeden Fall Bock, sich mal wieder in die Berge zu begeben!

    • Shari Littmann

      Yeah! Mach das. Ich kann allerdings nur empfehlen, sich ein bisschen besser auszurüsten 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>