Eltzer Burgpanorama: Wierschem – Burg Eltz – Wierschem, 12,6 km

Dies ist Teil 1 von wahrscheinlich 3 (mindestens aber 2) eines kleinen Wanderurlaubs an der Mosel und in den französischen Vogesen. Die anderen Teile folgen.

Bevor der coole Weg losgeht, muss der uncoole Weg überstanden werden: die Autofahrt von Köln nach Wierschem (schöner Name!). Wir haben etwa 20 Stunden Musik auf CDs gebrannt und singen uns nun durch die größten Emo-Alternative-Hits der frühen Neunziger (CDs meines Gefährten), bis zum schlimmsten Mix aus Indie-Pop-meets-80er-Depressions-Hits (meine CDs). Weil wir verkannte musikalische Genies sind, haben wir unsere uncoolen Instrumente dabei (Banjo und Ukulele) und machen am nächstbesten Rapsfeld ein paar Fotos für unsere Solokarriere als Banjo/Ukulele-Sensation. Mein Gefährte sieht aus wie einer der Söhne von Mumford, klingt dabei aber, als hätte er das Banjo zum ersten Mal in der Hand. Das Foto allerdings wird großartig. Das war auch schon der letzte Einsatz unserer Instrumente in diesem Urlaub. Danach wurden sie nur noch vom Auto ins Hotel und wieder zurück geschleppt. Völlig irrelevant also, für all das, was nun folgt:

Das Wetter strahlt, die Sonne lacht, ich hab meinen Hut mitgebracht. Auf dem offiziellen Parkplatz für Burg-Eltz-Wanderer in Wierschem gibt es einen Toilettenwagen (yay!) und jede Menge anderer Wanderer. Wir hassen sie! Burg Eltz ist eine große Touristenattraktion. Wohl aufgrund des 500-DM-Fame, denn Burg Eltz war angeblich mal auf dem 500-DM-Schein, als diese Scheine noch aussahen, wie Monopoly-Geld. Hab ich natürlich nie gesehen, weil ich wahnsinnig jung und arm bin.

Zur Burg führen mehrere Wege. Die Kranken, Alten, Frauen und Kinder lassen sich mit einem Shuttle bis kurz vor die Tür fahren, die Männer mit Bärten gehen den maskulinen Mosel-Traumpfad Eltzer Burgpanorama. Ein Rundweg, im Jahr 2013 Premium ausgezeichnet, 12,6 km, 4 Stunden.

Alles auf Anfang

Wir schlagen den Premium-Wanderweg ein, nachdem wir auf dem angrenzenden Premium-Spielplatz alles Städtische aus unserem System getobt haben. Aufgepeitscht von all der schönen Sonne überholen wir an der ersten Steigung die ersten Wanderer.  Da wir niemanden zu nah an uns ran lassen wollen, zieht uns eine geradezu militärische Zackigkeit voran. Sind sie zu nah vor uns, müssen wir sie überholen, dann müssen wir schnell weiter, damit sie nicht zu nah hinter uns sind, dann kommen wir aber den Nächsten vor uns wieder zu nahe (rinse, repeat). Endlich haben wir uns in einem schönen Limbus reingewandert.

Jetzt können wir die zwei Kilometer genießen, auf denen tolle Gespräche möglich sind, bevor wir zu hungrig, heiß oder erschöpft sind. Herzgespräche am Waldesrand:

„Wenn ich mich entscheiden müsste zwischen keine Arme oder keine Beine, ich würde keine Arme wählen! Dann könnte ich wenigstens noch wandern!“

„Ach, ich schlepp dich zu Not auch huckepack!“

„Aber was ist, wenn ich dann große Ambitionen hätte? Ich würde in meinem Leben durchaus mal den Jakobsweg laufen. Und wenn ich keine Beine hätte, dann erst recht, wegen Jesus und so.“

„Ich schlepp dich auch huckepack über den Jakobsweg. Versprochen!“

„Dann könnten wir danach immerhin eines dieser angesagten Bücher schreiben: ‚Mit meiner todkranken, beinlosen Freundin huckepack über den Jakobsweg‘.“

„Deal!“

Ich halte das hier nur fest, damit ich es irgendwo schriftlich habe!

Wir kommen in dieser Seligkeit an vielen wunderschönen Stellen vorbei. Ein Bach fließt neben uns, der Wald ist dicht und tief, keine Autobahn dringt an unser Ohr. Stattdessen stoßen wir auf eine Fläche voller Steinskulpturen, die irgendwas über die Höhe der Wanderung aussagen, höchster Punkt oder so, was mich wundert, da mir das alles bislang nicht richtig hoch vor kommt. Es sieht gruselig aus. Wir bauen mittendrin auch unser Türmchen und versuchen nichts umzuhauen, weil wir damit sicher den Zorn der Hexe von Blair Witch auf uns ziehen.

Steinhaufen

Langsam werden wir unruhig. Burg Eltz ist ein massiver Koloss, auf einem schmalen Hügel, eher in die Höhe, als in die Breite gebaut. Auf den meisten Fotos steht sie unübersehbar umringt von bewaldeten Bergen, aber noch sehen wir nichts, keine Burgspitze, kein Farbtupfer im Dickicht. Wir laufen und laufen und diese riesige Burg bleibt völlig unsichtbar. Selbst auf 500 Metern Entfernung sieht man: nichts. Wieder andere Wanderer. Es wird voller. Immer voller. Ein paar Meter vor uns sehen wir sie: Touristen. Sie stehen bei einem Felsvorsprung an einer Biegung und schießen Fotos.

Ich kreische, wie es coole Frauen verlernt haben, und stürze mich nach vorne. Da taucht sie auf. Mitten im Wald, immer noch fern. Umgeben von Bäumen und Touristen. Burg Eltz ist massiv. Doppelt so hoch wie breit, ein Klotz aus Erkern und Türmen.

Wir schießen Fotos, auf meiner Kamera, auf seiner, für Facebook, für Instagram, für die Lieben zu Hause, fürs eigene Ego, für andere Touristen. Diese Ansicht lässt sich nicht festhalten. Man muss erst drei Stunden durch den Wald gelaufen sein, um das alles zu sehen.

Weiter auf Seite 2

Vor Burg Eltz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>