Werwolf-Wanderweg: Bedburg, 9,7km

Für die Leute, die sich tatsächlich für die Wanderungen interessieren, hau ich ab jetzt immer einen Link zur Route rein – wenn ich eine finde. Vor einiger Zeit (Schwarzwald) habe ich die Wanderrouten in fisseliger Drecksarbeit selbst auf GoogleMaps zusammengebastelt. Das dauerte ewig und ich hatte nur Probleme mit dem Plugin, also vergessen wir diesen Service schnell wieder! RUHE DAHINTEN! Das bleibt jetzt so. Hier also der Link zur Werwolf-Wanderung bei den Profis von Outdooractive.

HaAAAaaAaaaach, Werwölfe – heiße Bois ohne Shirt und Teenage Dream Marty McFly – die Verbindung von Jungs (Yay!) und Hunden (Awwww!). Während der Vampir einem nur die Jungfräulichkeit rauben will, will der Werwolf… tja, keine Ahnung, auch die Jungfräulichkeit rauben, aber immerhin doggy?
Haha, alles voll lustig. Neben all dem Schabernack, spielt der Werwolf aber auch historisch eine Rolle in Deutschland: Mittelalter – aufmüpfige, sonderbare oder sonstwie ins Kreuzfeuer geratene Frauen werden als Hexen verurteilt. Männer bleiben in dem ganzen Wahn auch nicht verschont, nur lautet der Vorwurf gegen sie eher: Werwolf. Es gibt in Deutschland mehrere Fälle in denen Männer als Werwölfe verurteilt wurden, ganz abgesehen von den zahlreichen Werwolf-Sagen, die in der Zeit entstanden. Der bekannteste dieser Prozesse fand im Jahr 1589 in Bedburg bei Köln statt: Dem Bauer Peter Stump (auch Peter Stubbe genannt) wird vorgeworfen jahrelang in Gestalt eines Werwolfs zahlreiche Menschen und Tiere ermordet und Frauen vergewaltigt zu haben. Er wird verurteilt, gerädert, geköpft und verbrannt. Bis nach England gelangen Flugblätter und künstlerische Darstellungen, die von seiner Verurteilung berichten.

02 Schild

429 Jahre später mache ich mich mit meinem Gefährten auf den Weg nach Bedburg. Was ist übrig von der Stadt, die einen ollen Bauern in einen Werwolf verwandelt hat? Wie geht eine moderne Stadt mit dieser Geschichte um? Wie stellt sie sowas dar? Erster Ansatz: Es gibt eine ausgeschilderte Wanderung, die die Geschichte von Peter Stubbe nacherzählen und an verschiedenen Schauplätzen vorbeiführen soll. Allerdings wird schon beim Namen des Wanderweges klar, dass diese Wanderung keine kritische Auseinandersetzung mit der Barbarei des Mittelalters sein wird, sonder “GEILO, Folter und Mord”: Werwolf-Wanderweg. Symbol: Jaulender Wolf. Nun ja, mit ernster Didaktik lockt Tourismus Bedburg wohl keine erlebnishungrigen Wanderer in die Region.
Entsprechend blümerant/blutrünstig formuliert sind auch die Info-Tafeln, die über die Strecke verteilt am Wegesrand stehen: “Schon als Kind hatte er einen Hang zum Bösen […] Zeitgenössische Chronisten wissen zu berichten, dass Peter Stubbe als Mannwolf jahrelang den Menschen im Umland von Bedburg auflauerte, um sie auf grausame Art und Weise zu verstümmeln, zu schänden und zu fressen”, steht dort, wie so eine Wichsvorlage für BILD-Redakteure. Nach fünf, sechs, sieben Tafeln voller “Die Chronisten wissen zu berichten […] Jahrelang mordete er […] Aufgrund der Verstümmelung wurde er schon bald identifiziert” folgt schlussendlich der vage Satz “Ob Peter Stubbe die ihm vorgeworfenen Morde und Gräueltaten wirklich begangen hat, konnte nie bewiesen werden.” Sich sieben Schautafeln lang einen Werwolf herbei zu schütteln, nur um dann mit dem letzten Satz auf die zweifelhafte Glaubwürdigkeit der Quellen hinzuweisen, halte ich doch für arg fahrlässig. Das Mittelalter ist offenbar lange genug her, um aus all seinen Verbrechen Unterhaltung zu machen. Jede Stadt bitte nur ein Foltermuseum. Man stelle sich so einen Umgang mit anderen historischen Verbrecherjahren vor. Kommt das noch? Oder bin ich das Problem? Piefige Spielverderberin, die eine schaurige Sage für Kinder durch so etwas Ödes wie Fakten in ein Lehrstück über Rufmord verwandeln will. Die aktuellen Fake-News-Debatten und Lügenpresse!-Schreier sitzen mir wohl zu tief in den Knochen. Ähnlich piefig veranlagten Lesern empfehle ich diese Masterarbeit über Peter Stubbe.
Da ist alles dabei: Fußnoten, Quellverzeichnis, historisch-kultureller Kontext, acht Seiten Erklärungshypothesen, lange Sätze, wenig Bilder. Laut dieser Arbeit könnte Peter Stubbe lediglich Sündenbock für die Verbrechen von Soldaten und Söldnern gewesen sein, oder Opfer machtpolitischer Auseinandersetzungen, oder er hat gar nicht existiert. Ein Werwolf war er jedenfalls nicht.

03 Start

Wir sind also vor den Toren Bedburgs. Es ist arschkalt und sonnenklar. Sehr gutes Wanderwetter für Winterverhältnisse. Neben dem großen Tor des Stadtteils Alt-Kaster beginnt der Weg mit einer dieser Schautafeln. Erster Gedanke: “Urgh, so viel Text”. Aber da das Werwolf-Thema recht interessant ist, bleiben wir im Verlauf der Wanderung brav vor jeder Tafel stehen und lesen.
Zwei Minuten im Weg kommen wir an der Burgruine von Alt-Kaster vorbei, die im Gestrüpp liegt. Ein paar inoffizielle Trampelpfade (guter Begriff: desire paths) führen Richtung Ruine. Wortloses Einverständnis: Ab durchs Gestrüpp! Genau deswegen funktionieren wir so gut zusammen. Stünden wir auf einer Gabelung und rechts sei ein Schild und links sei nur ein greiser Kauz, der uns vor links warnt, würden wir beide nach links wollen. Jetzt wollen wir beide ins Gestrüpp und rauf auf die Ruine.

04 Ruine

Kurz hinter der Ruine taucht ein immer wiederkehrendes Motiv des Weges auf, oder taucht eben nicht auf: eine Markierung. An einer Gabelung steht nichts, nicht mal ein greiser Kauz. Also gehen wir zunächst zu einem Teich und füttern die Enten. Dann schaffen wir es intuitiv den richtigen Weg einzuschlagen. Aber eine Warnung an alle Nachahmer: Selten habe ich einen so lückenhaft ausgeschilderten Weg gesehen. Ohne eine Handykarte hätten wir uns hier mehrmals verlaufen – was nicht allzu katastrophale Folgen nach sich gezogen hätte, denn die Wanderung geht nie tief in einen verwunschenen Werwolfs-Wald hinein, sondern bleibt immer nahe der Stadt, in der Stadt, durch die Stadt.
Ausgesprochen unspektakulär das alles. Asphalt, Waldautobahn, wenig historische Stätten. Die Wanderung sollte doch am Wohnort von Peter Stubbe vorbeiführen, aber da steht mittlerweile nichts mehr. Hinter Kaster steht überhaupt nichts mehr, bis auf diese Hinweistafel, die wir beide mehrfach englisch aussprechen (Darsch-Ho-when), bis wir dahinter kommen:

05 DArshoven

Bedburg liegt im Kohlegebiet, ganz in der Nähe des Abbauareals Garzweiler. Erinnert sich jemand an Immerath? Die Stadt wurde in den letzten Jahrzehnten umgesiedelt und kürzlich komplett abgerissen, da Garzweiler sich dorthin vorfressen wird.

Garzweiler

Dieses Schicksal wäre auch beinahe Bedburg, speziell dem Stadtteil Kaster widerfahren. In den 1960ern grub sich hier der Braunkohletagebau Frimmersdorf durch die Landschaft und machte kurz vor Kaster halt. Dabei nahm er die Ortschaften Epprath, Morken-Harff und offenbar Darshoven mit. Bedburg und Kaster konnten den Abriss und die Umsiedlung noch verhindern. Es ist aber alles sehr kompliziert: Ortschaft, Ortsteil, Umsiedlung, Frimmersdorf, Garzweiler – ein paar Ungenauigkeiten bitte ich zu entschuldigen.
In Immerath musste mit der Stadt auch, von großen Protesten begleitet, die Kirche Sankt Lambertus weichen. Hier bei Bedburg wurde 1972 das Wasserschloss in Harff gesprengt. Immerhin ein paar Fotos lassen sich heute noch im Internet finden. Das wäre heute sicher ein nettes Hotel oder zumindest ein schönes Ausflugsziel, so ist es nun nur das hier:

07_Feld

“Durch Rekultivierungsmaßnahmen entstanden zum Wandern einladende Wälder und viele neue Gewässer”, heißt es bei Outdooractive (siehe oben). Naja, ich klinge wahrscheinlich wie ein wirtschaftsfeindlicher Grüner (UND piefiger Spielverderber), aber ein Wasserschloss wäre mir lieber gewesen. Schwierige Sache mit dem Tagebau. Im Jahr 2017 ist der Abriss einer Stadt und eines kulturellen Denkmals, wie des Immerather Doms, leicht zu verurteilen. In den 70er Jahren war das sicher noch eine andere Nummer. Wo wären wir ohne Kohle?
Ich komme aus dem Ruhrgebiet, ich habe meine Kindheit auf Halden verbracht, bevor Touristen auf Segways dort hochrollten, um die schönen Kunstinstallationen zu bestaunen; als Halden noch ein Haufen Schutt waren, mit Fördertürmen rundherum am Horizont. Die meisten Zechen waren da bereits stillgelegt, aber die Geschichte war noch zu frisch, um reine Unterhaltung zu sein – das war Identität. Mein Großvater hat eine Zeit lang als Hauer in der Zeche Blumenthal in Recklinghausen gearbeitet (und länger als “eine Zeit lang” konnte man das auch nicht). Hauer sind die Bergleute, die jeder vor Augen hat, wenn er an Bergbau denkt: rußgeschwärzte Männer mit Presslufthammern, die die Kohle aus dem Gestein lösen. Auch wenn ich heute Seitan-Schnitzel im Töpfer-Café in irgendeinem Ehrenfeld esse, bleibt Heimat für mich Heios in Bollerbuchsen, „Hömma, gemma nomma zu de Omma?“ und irgenwie auch Kohle und alles Kaputte. Ich hau noch heute jedem Hamburger/Düsseldorfer/Münchener in die Fresse, der was gegen den Pott sagt! “Das Ruhrgebiet hat sich, im wahrsten Sinne des Wortes, das Recht erarbeitet, sich hemmungslos zu stilisieren und sich zu dem zu bekennen, was es einzigartig macht, nämlich eben jene Arbeit. Zumindest die von früher. Und trotzdem stehen wir an lauen Sommerabenden auf unseren Eisenbahnbrücken, schauen auf unsere Städte, freuen uns darüber, wie schön das Leben mit Abitur sein kann und denken: ‘Nä, schön is dat nich. Abba meins!’ Oder wie es mein Oppa auszudrücken pflegte: ‘Ach, woanders is auch scheiße!'” (Frank Goosen, Radio Heimat).
Äh, scharfe Kurve zum Brachland um Bedburg: Im Ruhrgebiet entstanden nach dem Zechensterben tatsächlich “zum Wandern einladende Wälder und viele neue Gewässer”, also hören wir mal auf mit dem Gejaule um das Wasserschloss.
Trotzdem noch eine Anekdote aus der Welt des Tagebaus:

08_Kreuz

Ich habe eine mir selbst unangenehme Faszination für Unfallkreuze. Wie schnell vergessen wir vor lauter Leben den Tod. Dann fährt man im Leben vertieft über eine Landstraße oder wandert durch schönste Natur und plötzlich: “Hallo! I bims, der Tod!” Das reißt mich jedes Mal aus diesem Gefühl der Unendlichkeit, in dem es nur Leben gibt, weil Leben alles ist, was ich kenne. Wie ein piefiger Spielverderber knipsen Memento Moris am Wegesrand das Licht auf der Party an: Es kann immer und überall passieren. Auch genau hier, wo du gerade stehst. Tapp, tapp, tapp, in die Todesfalle Leben.
Jonny Schiffer war 11 Jahre alt, als er bei einer Schnitzeljagd stolperte und in sein eigenes Messer fiel. Das war 1947. Das Holzkreuz erinnert bis heute an den Unfall. Was auch heißt: Es wurde bis heute gepflegt, immer wieder erneuert und auch eine Zeit lang in diversen Keller verstaut, als der Tagebau den Eppenrather Wald fraß. Dann wurde es wieder aufgestellt und weiter gepflegt. Melancholisch.

Alles um uns herum ist junge Umgebung. Schwere, alte Eichen sucht man ebenso vergebens, wie Peter Stuppes Wohnort. Ein Wald wird geboren. Neuanfang. Circle of Life. Blablabla. Mein Gefährte und ich überlegen, ob die nette Umgebung schon reicht, um sich als Alterswohnsitz zu qualifizieren: Dem Wald beim Entstehen zusehen, am Wasser sitzen und Enten füttern. Bevor wir zu einem Entschluss kommen, rennt ein Hund an uns vorbei.
“Kennst du das auch, dass du immer willst, dass Hunde dich gut finden? Also, immer wenn jemand einen Hund mit ins Büro bringt (N HUND IM BÜROOO?), will ich, dass der mich mag – noch mehr als seinen Besitzer. Und jedes Mal wenn ein Hund an mir vorbeirennt, ohne mich auch nur anzublicken, fühlt es sich an, wie eine Zurückweisung. Mein Selbstwert hängt maßgeblich von der Aufmerksamkeit fremder Hunde ab.”
Wir kennen das beide. Der Hund ignoriert uns. Traurig kommen nach drei Metern Feldweg zurück zum Stadtrand. Oder irren uns dahin, denn wenn etwas nicht gepflegt wurde, dann das Andenken an Peter Stubbe in Form dieses Weges. Die Texttafeln hängen zuweilen in einer Höhe, als sollten sie bloß nicht gelesen werden und überall fehlen die Markierungen. Ganz schön doof. Ich hatte auf ein bisschen mehr Stolz gehofft, ein bisschen mehr Pflege, Plaketten an Häusern. Überall wo Goethe hingepupst hat, hängt heute eine Plakette, Peter Stubbe hingegen bekommt nur diese unwürdige Wanderung und diese rufschädigenden Texte. Was ist aus der Unschuldsvermutung geworden? Oder gilt die nur für Dieter Wedel und Woody Allen? Stubbe war doch auch white cis-male!

09_Stadt

In der Stadt hat man die Beschilderung komplett aufgegeben. Wir laufen frei Schnauze durch den Ortskern, erst zur Kirche, dann zum Marktplatz. Die Häuser sehen aus, wie in der Zeit gefroren, gestrig. Zuletzt habe ich solche Häuser in Immerath gesehen. Nur die Mülleimer sind neu – und es gibt einen vollgepackten Bücherschrank. Hier darf sich jeder Vorbeikommende Bücher ausleihen oder sie mitnehmen, wenn man selber welche reinstellt. Wir haben keine dabei. Ich erlaube es mir trotzdem zwei mitzunehmen: “Der Augenzeuge” von Ernst Weiß und aus offensichtlichen Gründen “Die Wanderhure” von Iny Lorentz – Pflichtlektüre und close second bei der Namensgebung meines Blog. Es tut mir Leid, wenn ich damit gegen die Gesetze der Bücherschränke verstoße. Das nagt an mir. Erst den Wanderweg schlecht reden, dann die Stadt als gestrig bezeichnen und obendrein noch Bücher klauen – ich glaub, es hackt!

10_hure

Da wir seit Ortseingang keine Weg-Markierung mehr gesehen haben, wandern wir willkürlich Straßen entlang und hoffen auf den jaulenden Wolf. So wurschteln wir uns weiter, bis mir plötzlich alles bekannt vorkommt: “Den Weg sind wir schon mal gegangen!”, “Was? Echt? Wann?”, “Heute, vor einer Stunde!” Zehn Minuten lang drehen wir uns auf einer Brücke im Kreis, in der Hoffnung unsere Orientierung wieder zu finden. Selbst mit Handy finde ich eine peinlich lange Zeit den korrekten Weg nicht. An einer dieser lieblosen Texttafeln müssen wir falsch abgebogen sein. Wir gehen zur letzten Tafel zurück: Der Schandanger! Schandanger – was für ein schönes Wort! Es steht wie selbstverständlich im Text, aber wir haben keine Ahnung was ein Schandanger ist. Sowas wie ein Scheiterhaufen oder Pranger, vermuten wir und gehen dumm des Weges. Das Internet gibt sich bei der Recherche uneindeutig. Wikipedia erwähnt das Wort nur im Kontext von Eselsbegräbnissen, also unehrenhaften Beisetzungen außerhalb der Stadtmauern, auf denen im Mittelalter Verbrecher, Ungetaufte und Selbstmörder verscharrt wurden. Über die Beisetzung von Selbstmördern heißt es da: “Auf jeden Fall wurde die Leiche wie der Körper eines lebenden Verbrechers zum Schandanger geschleift und dort ‘hingerichtet'”. Selbstmörder wurden also bevor sie unter die Erde kamen noch symbolisch hingerichtet (am/beim/auf dem Schandanger). Ein mir reichlich bananas vorkommendes anderes Wiki definiert Schandanger als Begräbnisstätte selbst: “Ein Schandanger ist eine Begräbnisstätte für Menschen, die keine Beerdigung in einem anständigen Christlichen Friedhof verdient haben […]. Aufgrund der allgemeinen Verweichlichung der Gesellschaft ist die Tradition des Schandangers in Europa seit dem zwanzigsten Jahrhundert aus der Mode gekommen.” (alles: sic!) Die Seite ist dermaßen ernst formuliert, aber so komplett irre in ihren Ansichten, dass ich nicht erkennen kann, ob das nun Satire ist oder christlicher Fanatismus. Aus Vorsicht: nicht verlinken!
Bin ich die einzige, die das Wort Schandanger nicht kennt und die das interessiert? Belassen wir es dabei, dass ein Schandanger sowohl die Begräbnisstätte “unehrenhafter” Leichen war, als auch ein Folterplatz an diesen Orten.

11_c_Ziel

Wir sind inzwischen durch einen großen Torbogen in Alt-Kaster angekommen. In dem kleinen Ort sieht noch alles aus, wie zu Stubbes Zeiten. Daher gibt es auch keine Pommesbude. Wir gehen in die nächstgelegene Stube. In dem zweistöckigen Wirtshaus ist bereits Karneval ausgebrochen. Luftschlangen an den Fenster, Clownsgesichter an den Wänden, drei sehr dörflich wirkende Karnevalisten in Kluft am Tresen. Wir verziehen uns ins obere Stockwerk. Kalte Finger, unschlüssig, wie wir die Wanderung nun fanden. Ich bestelle einen heißen Kakao, wie so ein Kind, mein Gefährte versucht es mit einem Kre, ein Altbier mit Cola. Allerdings haben wir die Alt/Kölsch-Grenze noch nicht Richtung Norden überschritten, weswegen der Bedienung ein empörtes “Alt haben wir hier prinzipiell nicht!” aus dem Gesicht fällt. Dieser Bier-Patriotismus ist dermaßen albern. Dass man für so eine Plörre wie Bier, egal in welcher Form, überhaupt Stolz entwickeln kann…? Habt ihr schon mal einen Kakao getrunken? DAS ist was Feines! Oder einen Wein? Bei Wein macht es wenigstens tatsächlich einen Unterschied, WO er angebaut wird. Ein Alt hingegen kann ich auch in Köln brauen und ein Kölsch auch in Düsseldorf. Schmeckt beides furchtbar!

So, alle weg jetzt? Dann kann ich ja jetzt hier Schluss machen. Und ohne Zeugen noch ein liebes Wort loswerden: Die Wanderung war eine der Schönsten des jungen Jahres, was vor allem an meiner Begleitung lag. Manchmal geht es eben nicht darum wo man ist, sondern nur mit wem.

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